Leseprobe: Überlebe dein Leben
Das komplette Vorwort – mit den fünf Fragen, die dich in zwei Minuten durch jeden Brief bringen. So liest sich das Buch.
Vorwort: Wer bin ich, und warum ausgerechnet ich?
Was qualifiziert einen fremden Menschen dazu, dir zu sagen, wie du dein Leben zu leben hast oder es sogar „überleben„ musst?
Ganz ehrlich: nichts.
Jeder sammelt seine eigenen Erfahrungen und qualifiziert sich damit selbst. Ich behaupte nur eines von mir: Ich kann meine Erfahrungen ordentlich sortieren und ich bin ehrlich damit. Das liegt daran, dass mir eine Menge Mist passiert ist. Ich musste sortieren, weil sonst niemand da war, der es für mich getan hätte.
Meine Eltern sind früh gestorben. Damit war ich mit Anfang zwanzig an einem Punkt, an dem ich Sachen wissen musste, die mir keiner beigebracht hatte. Wie melde ich mich um. Wer schickt mir diese Rechnung. Was ist eine Nebenkostenabrechnung. Warum will jemand Geld von mir, mit dem ich nie einen Vertrag hatte. Ich habe das alles gelernt, indem ich es falsch gemacht habe. Manche Fehler haben mich zwanzig Euro gekostet und manche mehrere hundert bis tausend.
Dieses Buch ist die Abkürzung, die ich nicht hatte.
Ich bin kein Berater, kein Anwalt und kein Coach. Ich bin einfach nur praktisch veranlagt. Ich habe eine Ausbildung gemacht, im Büro gearbeitet, aus einem Nebengewerbe eine eingetragene Firma aufgebaut und dabei alles selbst unterschrieben, was man dafür unterschreiben muss: Mietverträge, Versicherungen, Kreditanträge, Steuererklärungen, Kündigungen, Widersprüche. Ich weiß nicht alles. Aber ich weiß, wie sich der Moment anfühlt, in dem ein gelber Umschlag im Briefkasten liegt und man keine Ahnung hat, was drinsteht.
Ich bin auch nicht perfekt und will dir das nicht predigen. Ich weiß aber ziemlich genau, wo meine Fehler lagen, und ich zeige sie dir im Lauf des Buches. Dann kannst du sie dir sparen.
Eines vorweg: Fast jede teure Entscheidung, die ich bereut habe, kam daher, dass ich etwas getan habe, von dem ich dachte, dass ich das unbedingt brauche. Das Auto, das zu teuer war. Der Handyvertrag mit dem Zusatzgerät, das ich nicht brauchte. Die Wohnung, die schöner war, als ich sie mir leisten konnte. Wer nicht weiß, was er selbst will, kauft das, was andere wollen. Und das ist immer zu teuer.
Wie du dieses Buch benutzt
Du musst es nicht von vorne nach hinten lesen. Es ist absichtlich so gebaut, dass du hinten im Regal danach greifen kannst, wenn ein Brief kommt und du nicht weiterweißt.
Fast jedes Kapitel hat am Ende einen Kasten mit der Überschrift **Was du jetzt tust**. Darin stehen drei bis fünf Schritte, die du sofort erledigen kannst. Wenn du gerade wenig Zeit hast, lies nur die Kästen. Das ist schon die halbe Miete.
Im Anhang findest du fertige Briefe zum Abschreiben, Checklisten und eine Tabelle mit allen Zahlen.
Und noch etwas: Das Buch redet dich mit Du an. Nicht weil ich dir zu nahe treten will, sondern weil „man„ und „Sie“ bei diesen Themen dafür sorgen, dass man denkt, es sei jemand anderes gemeint.
Wenn gerade ein Brief auf dem Tisch liegt
Dann fang nicht vorne an. Diese fünf Fragen bringen dich in zwei Minuten dorthin, wo du hinmusst. Sie sind gleichzeitig der beste Eindruck davon, wie dieses Buch funktioniert.
- **Von wem kommt er?** Behörde, Gericht, Firma oder Inkasso. Ein gelber Brief vom Amtsgericht ist etwas anderes als eine Mahnung, und er hat eine kürzere Frist. Kapitel 6.
- **Steht eine Frist drin?** Such nach „innerhalb von„, „bis zum“ und nach dem Wort Rechtsbehelfsbelehrung, das ist der Absatz ganz unten. Trag das Datum sofort in den Kalender. Die teuersten Fristen stehen gesammelt in Anhang D.
- **Will jemand Geld?** Dann prüf zuerst, wofür genau, bevor du zahlst. Sehr oft ist die Forderung nicht berechtigt, und dann zahlst du sie auch nicht. Kapitel 6.
- **Musst du heute etwas tun, damit keine Frist verfällt?** Meistens genügt dafür ein Zweizeiler. Welcher es sein muss, hängt vom Absender ab und steht direkt unter dieser Liste.
- **Wer hilft dir, wenn du nicht weiterkommst?** Für fast jedes Problem in diesem Buch gibt es eine Stelle, die kostenlos berät. Kapitel 36.
**Der Zweizeiler aus Frage 4, nach Absender:**
- **Behörde.** „Hiermit lege ich Widerspruch gegen den Bescheid vom [Datum] ein. Die Begründung reiche ich nach.„ Damit ist die Frist gewahrt.
- **Gelber Mahnbescheid vom Gericht.** Du schickst das beiliegende Formular zurück. Ein freier Brief reicht dort nicht.
- **Kündigung vom Arbeitgeber.** Ein Widerspruch hilft nicht. Du brauchst innerhalb von drei Wochen eine Klage beim Arbeitsgericht. Die Rechtsantragstelle dort nimmt sie kostenlos auf.
- **Rechnung oder Inkasso.** Du schreibst, dass du der Forderung widersprichst und sie nicht zahlst. Muster B5 im Anhang.
Und der Satz, der über allem steht: **Kein Brief wird besser, wenn er liegen bleibt.**
Hier endet die Leseprobe
Weiter geht es mit zehn Teilen von Geld über Wohnen und Verträge bis zu den Ämtern – und dem, was du tust, wenn etwas schiefgeht. Als Taschenbuch, Hardcover und eBook.
Weiterlesen bei Amazon * Zurück zum BuchWorum es im Rest des Buches geht
Das Vorwort zeigt den Ton: klare Sprache, konkrete Schritte, kein erhobener Zeigefinger. Genauso geht es weiter – jedes Kapitel endet mit einem Kasten „Was du jetzt tust“, und im Anhang findest du fertige Briefe zum Abschreiben.
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